Was ist Nearshoring? Definition, Zahlen — und warum Kosten nicht mehr der Hauptgrund sind

Nearshoring bezeichnet die Verlagerung von IT-Leistungen in ein geografisch, kulturell und rechtlich nahes Land — für deutsche Unternehmen meist EU-Staaten in Mittel- und Osteuropa oder auf der Iberischen Halbinsel. Der Hauptgrund dafür ist nicht mehr der Preis: In einer Befragung von 33 CIOs deutscher Top-500-Unternehmen nannten 94 Prozent die Verfügbarkeit von Fachkräften als Motiv und nur 82 Prozent die Kosten (Reicheneder, Westner & Matschi, 2025). Die Kostenabstände schrumpfen nach Aussage der Entscheider selbst; der Engpass bleibt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Nearshoring bezeichnet die Verlagerung von IT-Leistungen in geografisch, kulturell und rechtlich nahe Länder — im DACH-Kontext meist Polen, Rumänien, Ungarn, Bulgarien oder Portugal.
  • Der Hauptgrund ist nicht mehr der Preis: In einer Befragung von 33 CIOs deutscher Top-500-Unternehmen nannten 94 Prozent die Verfügbarkeit von Fachkräften als Motiv, 82 Prozent die Kosten (Reicheneder, Westner & Matschi, 2025).
  • Und die Kostenvorteile schwinden: 13 von 20 dazu befragten CIOs derselben Studie berichteten, dass sich die Löhne angleichen.
  • Der Engpass in Deutschland bleibt: 79.000 offene IT-Stellen, und 97 Prozent der Unternehmen haben Schwierigkeiten, sie zu besetzen (Bitkom, September 2026).
  • Zeitzone ist im EU-Nearshoring meist kein Thema: Polen und Ungarn liegen in derselben Zeitzone wie Deutschland, Rumänien und Bulgarien eine Stunde östlich.
  • Nearshoring ersetzt keine Steuerung. Wer Verantwortung mitverlagert, verlagert Risiko. Wer die Steuerung im Inland behält, verlagert Kapazität.

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Einleitung: Die neue Geografie der IT-Ressourcen

Über Nearshoring wurde zwei Jahrzehnte lang als Sparmodell gesprochen. Diese Erzählung ist überholt, und zwar nachweisbar.

Als Reicheneder, Westner und Matschi zwischen März und Juni 2024 CIOs und IT-Führungskräfte deutscher Großunternehmen befragten, stand die Ressourcenverfügbarkeit mit 94 Prozent an erster Stelle der Motive — vor den Kosteneinsparungen mit 82 Prozent. Bei den Auswahlkriterien für konkrete Services war der Abstand noch deutlicher: Die Verfügbarkeit von Skills und Technologie nannten 91 Prozent, die Kosten 53 Prozent (Quelle: Reicheneder, Westner & Matschi, 2025).

Der Befund passt zum deutschen Arbeitsmarkt. Die Bitkom-Arbeitsmarktstudie vom September 2026 weist 79.000 offene IT-Stellen aus — nach 109.000 im Vorjahr und 149.000 im Jahr 2023. Die Lücke schrumpft also. Der Engpass nicht: 97 Prozent der befragten Unternehmen geben an, IT-Stellen nur schwer besetzen zu können, 76 Prozent erwarten eine Verschärfung.

Diese beiden Zahlen zusammen — eine sinkende Gesamtlücke bei nahezu unveränderten Besetzungsschwierigkeiten — beschreiben eine Verschiebung, keine Entspannung. Die Nachfrage wandert nach oben, zu Profilen mit Erfahrung. Wer heute nearshored, sucht selten den günstigsten Entwickler. Er sucht einen, den er im Inland nicht bekommt.

Die Details zur Marktlage stehen im Datenreport IT-Fachkräftemangel.

Definition und Abgrenzung: Wo liegt der Unterschied?

Nearshoring ist die Verlagerung von Leistungen in ein nahegelegenes Land — nah im geografischen, kulturellen, sprachlichen und rechtlichen Sinn. Für deutsche Unternehmen sind das in der Regel EU-Mitgliedstaaten in Mittel- und Osteuropa oder auf der Iberischen Halbinsel.

Offshoring verlagert in entfernte Regionen mit erheblicher Zeitverschiebung und abweichendem Rechtsrahmen — klassisch Indien, Malaysia, die Philippinen oder Brasilien.

Onshoring hält die Leistung im Inland.

Die Abgrenzung ist keine akademische Übung, weil die drei Formen in der Praxis nebeneinander laufen. In der oben genannten Studie entfielen 52 Prozent aller Shoring-Standorte auf Nearshoring und 48 Prozent auf Offshoring. Innerhalb des Nearshorings gingen 58 Prozent der Aktivitäten nach Osteuropa; das meistgenannte Einzelland war allerdings Portugal (7 Nennungen), gefolgt von Spanien (5), Rumänien (4), Ungarn und Tschechien (je 3). Beim Offshoring dominierte Indien mit 13 Nennungen — 42 Prozent aller Offshore-Standorte.

Diese beiden Angaben scheinen sich zu widersprechen, tun es aber nicht: Osteuropa stellt die Mehrheit der Nearshore-Standorte, verteilt sie aber auf viele Länder — Rumänien, Ungarn, Tschechien, Polen und weitere. Die iberischen Nennungen konzentrieren sich auf zwei Länder. Deshalb führt Portugal die Einzelwertung an, während die Region Osteuropa in der Summe überwiegt.

Bemerkenswert ist der Anteil an der Belegschaft. Unternehmen, die ausschließlich nearshoren, hielten im Schnitt 72 Prozent ihrer IT-Mitarbeiter im Inland und 28 Prozent im Nearshore-Land. Bei reinen Offshorern lag der Auslandsanteil bei 45 Prozent (Quelle: Reicheneder, Westner & Matschi, 2025). Nearshoring ist in der Praxis also das vorsichtigere Modell — es ergänzt, es ersetzt nicht.

Wichtig zur Einordnung dieser Zahlen: Die Studie beruht auf 33 semistrukturierten Interviews aus 319 angefragten Unternehmen (Teilnahmequote 10,3 Prozent), erhoben von März bis Juni 2024 unter den nach Umsatz 500 größten deutschen Unternehmen. Median: 4,1 Milliarden Euro Umsatz, 16.300 Mitarbeitende. Es ist eine qualitative Erhebung unter Großunternehmen, keine repräsentative Statistik — und schon gar keine über den Mittelstand. Die Richtung der Befunde ist belastbar, die Prozentwerte sind es nur für diese Stichprobe.

Die strategischen Vorteile des IT-Nearshoring

A. Kosten — real, aber schrumpfend

Der Kostenunterschied existiert und ist erheblich. Für 2025 weist das Statistische Bundesamt auf Basis von Eurostat-Daten folgende Arbeitskosten je geleistete Stunde aus:

Arbeitskosten je geleistete Stunde, 2025

Deutschland45,00 €EU-27 (Ø)34,90 €Polen19,10 €Ungarn15,20 €Rumänien13,60 €Bulgarien12,00 €
Arbeitskosten je geleistete Stunde, 2025
GrößeWertQuelle
Deutschland45,00 €Destatis/Eurostat, 2026
EU-27 (Ø)34,90 €Destatis/Eurostat, 2026
Polen19,10 €Destatis/Eurostat, 2026
Ungarn15,20 €Destatis/Eurostat, 2026
Rumänien13,60 €Destatis/Eurostat, 2026
Bulgarien12,00 €Destatis/Eurostat, 2026
Quelle: Statistisches Bundesamt auf Basis Eurostat, Stand 15. April 2026, Bezugsjahr 2025. Bezug: Produzierendes Gewerbe und Dienstleistungsbereich (NACE Rev. 2, Abschnitte B bis S ohne O) — nicht IT-spezifisch.

Diese Einschränkung ist entscheidend. Die Werte sind Gesamtwirtschaftsdurchschnitte. Wer daraus ableitet, ein rumänischer Senior-Entwickler koste ein Drittel eines deutschen, rechnet falsch: IT-Gehälter liegen in allen genannten Ländern deutlich über dem Landesdurchschnitt, und der Abstand ist bei Senior-Profilen am kleinsten.

Die Studie von Reicheneder et al. stützt das aus der Praxis: 13 von 20 dazu befragten CIOs gaben an, dass sich die Löhne angleichen und die Kostenvorteile künftig schwinden. Polen verzeichnete 2025 mit 10,5 Prozent den höchsten Anstieg der Arbeitskosten unter den hier genannten Ländern.

Was daraus folgt: Wer Nearshoring als Sparprogramm aufsetzt, baut auf einem Vorteil, der sich abnutzt. Wer es als Zugang zu Kapazität aufsetzt, baut auf einem Engpass, der bleibt.

B. Sprache und Kultur

Englisch ist im EU-Nearshoring keine Hürde. Der EF English Proficiency Index 2025 stuft alle relevanten Zielländer als „Very High“ ein: Rumänien erreicht 605 Punkte (Rang 11 weltweit), Polen 600 (Rang 15), Bulgarien 594 (Rang 18), Ungarn 590 (Rang 22). Deutschland selbst liegt mit 615 Punkten auf Rang 4.

Erhebungsdesign, weil es hier zählt: Der Index beruht auf über 2,2 Millionen Teilnehmern des EF-SET-Onlinetests im Jahr 2024. EF weist selbst darauf hin, dass die Testpopulation selbstgewählt und nicht repräsentativ ist, dass das Online-Format Menschen ohne Internetzugang ausschließt und dass diese Verzerrung die Werte nach oben zieht. Als Rangfolge zwischen Ländern ist der Index brauchbar, als absolutes Kompetenzmaß nicht.

Deutsch ist die eigentliche Frage. Englisch reicht für Entwicklungsarbeit; für Fachabstimmung mit Fachbereichen, für Dokumentation nach deutschen Prüfungsstandards und für den Support gegenüber deutschsprachigen Anwendern reicht es oft nicht. Belastbare Ländervergleichszahlen zu Deutschkenntnissen unter IT-Fachkräften liegen uns nicht vor — wer hier mit Prozentwerten arbeitet, hat sie in der Regel geschätzt. Was sich prüfen lässt, ist der Einzelfall: Sprachniveau im Auswahlprozess feststellen, statt es dem Land zuzuschreiben.

Wo Deutsch gebraucht wird, gehört eine Niveaustufe nach dem Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen ins Anforderungsprofil — und die Verfügbarkeit unterscheidet sich zwischen den Zielländern erheblich. Die Zahlen dazu stehen unter Deutschsprachiges Nearshoring.

Genau darum arbeiten wir mit deutschsprachigem Nearshoring als eigener Kategorie und prüfen das Sprachniveau je Profil, nicht je Herkunftsland.

C. Zeitzonen — im EU-Nearshoring meist ein Nicht-Thema

Hier ist eine Korrektur nötig, die auch in Fachtexten häufig falsch steht: Polen und Ungarn liegen in derselben Zeitzone wie Deutschland (Mitteleuropäische Zeit). Es gibt keine Zeitverschiebung. Rumänien und Bulgarien liegen in der Osteuropäischen Zeit, also eine Stunde voraus.

Zum Vergleich: Indien liegt 3,5 bis 4,5 Stunden vor Deutschland, die Philippinen 6 bis 7. Dort beginnt die Überlappungsfrage tatsächlich.

Interessant ist, dass die befragten CIOs die Zeitzone nur zu 24 Prozent als Motiv nannten — gleichauf mit der kulturellen Übereinstimmung und deutlich hinter Verfügbarkeit und Kosten. Der Vorteil ist real, aber er ist offenbar nicht der Grund, aus dem Entscheidungen fallen.

D. Rechtsrahmen — der Vorteil, der bleibt

Innerhalb der EU gilt ein gemeinsamer Rechtsrahmen: DSGVO für die Verarbeitung personenbezogener Daten, NIS2 für Cybersicherheit in kritischen und wichtigen Einrichtungen, der AI Act für KI-Systeme. Auftragsverarbeitung innerhalb der Union braucht keine Übermittlungsgrundlage für Drittländer, keine Standardvertragsklauseln, kein Transfer Impact Assessment.

Das ist der einzige der vier Vorteile, der sich nicht abnutzt. Kostenabstände schrumpfen, Sprachkenntnisse gleichen sich an, Zeitzonen verschieben sich nicht — aber sie sind auch bei Offshoring lösbar. Der gemeinsame Rechtsraum ist strukturell.

Wie sich das vertraglich abbilden lässt, steht ausführlich unter Rechtssicherheit im EU-Nearshoring.

Herausforderungen und Risikomanagement

Erstens: Der Kostenvorteil ist ein Auslaufmodell, kein Fundament. Siehe oben — 13 von 20 CIOs sagen es selbst.

Zweitens: Nearshoring löst kein Steuerungsproblem, es verschärft es. Die Studie zeigt, welche Leistungen tatsächlich verlagert werden: Applikationen und Prozesse bei 91 Prozent der Unternehmen, Infrastruktur bei 70 Prozent — Strategie und Governance nur bei 30 Prozent. Wer die Steuerung mitverlagert, gehört zur Minderheit. Und die Auswahlkriterien verraten, warum: Nach der Skill-Verfügbarkeit (91 Prozent) und den Kosten (53 Prozent) folgt der Interaktionsgrad mit dem Service Owner (50 Prozent; Quelle: Reicheneder, Westner & Matschi, 2025). Je enger eine Aufgabe mit dem Fachbereich verzahnt ist, desto seltener wird sie verlagert.

Bei uns bleibt die Senior-Steuerung in Deutschland — Architektur, Qualitätssicherung und die Verantwortung gegenüber dem Kunden. Verlagert wird Kapazität, nicht Verantwortung.

Drittens: Der Zielmarkt ist nicht unbegrenzt. Nach Eurostat waren 2025 EU-weit 10,45 Millionen Menschen als IKT-Spezialisten beschäftigt — 5,0 Prozent aller Erwerbstätigen. Der Zuwachs gegenüber 2024 betrug 2,6 Prozent, nach 4,5 Prozent im Jahr davor. Das Wachstum verlangsamt sich also.

Und die Anteile fallen sehr unterschiedlich aus: Schweden führt mit 8,9 Prozent, Luxemburg folgt mit 8,7 und Finnland mit 7,8. Rumänien liegt mit 2,7 Prozent am unteren Ende — nur Griechenland hat mit 2,5 Prozent einen kleineren Anteil (Quelle: Eurostat, 2026). Deutschland stellt mit 2,3 Millionen IKT-Spezialisten die größte absolute Zahl in der EU (Quelle: Eurostat, 2026).

Das ist die Zahl, die dem gängigen Nearshoring-Narrativ widerspricht, und sie gehört genannt: Osteuropa ist kein Reservoir, aus dem sich beliebig schöpfen lässt. Der Anteil ist dort niedriger als in Deutschland, nicht höher. Was den Markt attraktiv macht, ist nicht die Menge, sondern das Verhältnis von Angebot zu lokaler Nachfrage — und das kann sich verschieben.

Viertens: Auswahl schlägt Standort. Wenn 91 Prozent der Entscheider die Skill-Verfügbarkeit zum wichtigsten Kriterium erklären, ist die Frage nicht, in welches Land verlagert wird, sondern wer konkret arbeitet. Ein Land liefert keine Profile. Menschen tun das.

Erfolgreiche Implementierung: Best Practices

Steuerung im Inland verankern. Architektur, Qualitätssicherung und Kundenverantwortung bleiben dort, wo die Verantwortung juristisch und fachlich liegt. Die 30-Prozent-Zahl oben zeigt, dass die meisten Unternehmen das bereits so halten — meist ohne es explizit zu entscheiden.

Die Vertragsform an die Aufgabe anpassen, nicht umgekehrt. Werkvertrag, Dienstvertrag und Freelancer-Konstrukt haben unterschiedliche Folgen für Weisungsrecht, Haftung und Sozialversicherung. Wir behandeln das als Compliance-Baukasten mit drei Stellschrauben — Vertragsform, Delivery-Standort und Steuerung —, der pro Mandat konfiguriert wird statt als Schablone.

Standorte mischen, nicht ersetzen. Die Studie zeigt einen Auslandsanteil von 28 Prozent bei reinen Nearshorern (Quelle: Reicheneder, Westner & Matschi, 2025). Das ist kein Zufallswert, sondern das Ergebnis vieler Einzelentscheidungen darüber, was sich verlagern lässt. Unsere drei Standort-Ebenen — Deutschland, EU-Nearshore, Offshore — sind die organisatorische Antwort darauf.

Sprachniveau je Profil feststellen. Nicht je Land. Siehe Abschnitt B.

Von Anfang an messen, was das Lieferversprechen trägt. Reaktionszeiten, Durchlaufzeiten, Fehlerquoten, Verfügbarkeit der zugesagten Profile. Ohne diese Größen lässt sich nach zwölf Monaten nicht sagen, ob das Modell funktioniert hat — nur, ob es sich gut angefühlt hat.

Fazit

Nearshoring hat den Zweck gewechselt. Es war ein Kostenmodell und ist ein Verfügbarkeitsmodell geworden — 94 Prozent gegen 82 Prozent, und der Kostenabstand schrumpft nach Aussage der Entscheider selbst.

Damit ändern sich die Fragen. Nicht mehr: In welchem Land wird es billiger? Sondern: Welche Aufgaben lassen sich sinnvoll trennen, wer steuert sie, unter welchem Vertrag, und wie wird die Qualität gemessen? Das ist Organisationsarbeit, keine Einkaufsentscheidung.

Und es ist der Grund, warum wir Nearshoring nicht als Preisargument verkaufen. Der Preisvorteil geht. Der Engpass bleibt.

Ihr nächster Schritt

Wenn Sie prüfen möchten, ob und wie sich Ihr konkreter Bedarf über EU-Nearshoring decken lässt: Wir stellen Senior-Profile aus rund 3.000 vorab validierten IT-Experten zusammen, mit Senior-Steuerung in Deutschland und der GLJ Tech GmbH mit Sitz in Münster als Vertragspartner.

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Schildern Sie uns Ihren Bedarf, wir melden uns mit einer Einschätzung zurück. Einen Überblick über unser Leistungsspektrum finden Sie unter IT-Experten.

Häufige Fragen

Was ist Nearshoring einfach erklärt?

Die Verlagerung von IT-Leistungen in ein nahegelegenes Land — nah in geografischer, kultureller, sprachlicher und rechtlicher Hinsicht. Für deutsche Unternehmen sind das meist EU-Staaten in Mittel- und Osteuropa oder auf der Iberischen Halbinsel.

Was ist der Unterschied zwischen Nearshoring und Offshoring?

Die Entfernung und der Rechtsrahmen. Nearshoring bleibt innerhalb weniger Zeitzonen und — im EU-Fall — innerhalb eines gemeinsamen Rechtsraums mit DSGVO, NIS2 und AI Act. Offshoring verlagert in entfernte Regionen mit abweichender Rechtsordnung; Datenübermittlungen brauchen dann eine eigene Grundlage.

Wie viel spart man mit Nearshoring?

Weniger, als die Landesdurchschnitte nahelegen. Die Arbeitskosten je Stunde lagen 2025 in Deutschland bei 45,00 Euro, in Polen bei 19,10 und in Rumänien bei 13,60 Euro (Statistisches Bundesamt auf Basis Eurostat, Stand April 2026) — das sind aber Gesamtwirtschaftswerte über alle Branchen. IT-Gehälter liegen in allen genannten Ländern deutlich darüber, und bei Senior-Profilen ist der Abstand am kleinsten. Hinzu kommt: 13 von 20 befragten CIOs deutscher Großunternehmen erwarten, dass sich die Löhne angleichen (Reicheneder, Westner & Matschi, 2025).

Welche Länder kommen für IT-Nearshoring aus Deutschland infrage?

In der Praxis vor allem Portugal, Spanien, Rumänien, Ungarn, Tschechien und Polen. In der genannten Studie war Portugal das meistgenannte Einzelland; 58 Prozent der Nearshoring-Aktivitäten entfielen auf Osteuropa.

Wie groß ist die Zeitverschiebung?

Zu Polen und Ungarn gar keine — beide liegen in der Mitteleuropäischen Zeit. Zu Rumänien und Bulgarien eine Stunde. Zum Vergleich: Indien liegt 3,5 bis 4,5 Stunden vor Deutschland.

Ist Nearshoring DSGVO-konform?

Innerhalb der EU ist die Auftragsverarbeitung ohne Drittlandsübermittlung möglich — es braucht keine Standardvertragsklauseln und kein Transfer Impact Assessment. Konform wird es dadurch nicht automatisch: Ein Auftragsverarbeitungsvertrag, technische und organisatorische Maßnahmen sowie die Prüfung von Unterauftragsverhältnissen bleiben erforderlich.

Lohnt sich Nearshoring auch für den Mittelstand?

Die belastbaren Daten hierzu stammen aus Befragungen von Großunternehmen; eine vergleichbare Erhebung für den Mittelstand ist uns nicht bekannt. Der Engpass, der die Nachfrage treibt, trifft den Mittelstand allerdings härter, weil er im Wettbewerb um dieselben Senior-Profile weniger Sichtbarkeit hat.

Thematische Vertiefungen

Quellen